FAQ für Lernende
Der Einstieg in die Branche bringt viele Fragen mit sich. Hier findest du Antworten rund um die Berufsausbildung, Arbeitsbedingungen, Weiterbildung und deinen Berufsalltag.
Sozialpartnerschaft in der Gastronomie und Hotellerie
Sozialpartnerschaft bedeutet: Arbeitnehmende (z. B. Gewerkschaften/Verbände) und Arbeitgebende (z. B. Arbeitgeberverbände) regeln wichtige Arbeitsbedingungen gemeinsam – statt alles nur über Gesetze oder Streit vor Gericht zu lösen.
In eurer Branche passiert das vor allem über:
- Gesamtarbeitsvertrag (GAV), bzw. in der Branche oft der Landes-GAV (L-GAV) Gastgewerbe
- Löhne / Mindestlöhne
- Arbeitszeit, Pausen, Ruhezeiten
- Ferien, Feiertage, Zuschläge
- 13. Monatslohn (falls geregelt)
- Weiterbildung / Fonds / Vollzug (Kontrollen)
Alltagssituationen, wo du es merkst:
- Dein Lohn darf gewisse Mindeststandards nicht unterschreiten (je nach Ausbildung/Funktion).
- Regeln zu Überstunden, Nacht-/Sonntagsarbeit und Dienstplänen.
- Krankheit/Unfall: Lohnfortzahlung und Versicherungen (je nach Regelung).
Lernende: Ausbildungsschutz, Arbeitszeiten, Pausen, Jugendarbeitsschutz (zusammen mit Gesetz).
In der Schweiz gibt es sie seit vielen Jahrzehnten (seit dem 20. Jahrhundert). In der Branche wurde sie über die Jahre über Gesamtarbeitsverträge weiter ausgebaut. Im Gastgewerbe erster GAV 1974.
Sie sorgt dafür, dass euer Beruf nicht nur «Herz und Service» ist, sondern auch faire Regeln hat. Gerade in einer Branche mit unregelmässigen Zeiten, Saisonspitzen und viel Druck ist das zentral.
Vorteile
- Klare Mindeststandards (Schutz vor Dumping).
- Planbarkeit für beide Seiten (Regeln statt Chaos).
- Weniger Konflikte: Vieles ist vorab geregelt.
- Gleiche Spielregeln im Markt (fairer Wettbewerb).
Nachteile / Herausforderungen
- Verhandlungen dauern manchmal lange.
- Kompromisse: Nicht jede Seite bekommt 100 %.
Wenn Betriebe Regeln nicht einhalten, braucht es Vollzug/Kontrollen (sonst bleibt es Theorie).
Aktuell geht es unter anderem um die Weiterentwicklung der Regeln für die Zeit nach Ablauf der aktuellen L-GAV-Periode. Themen können zum Beispiel Löhne, Arbeitszeiten, Gesundheitsschutz, Weiterbildung und die Durchsetzung der Regeln sein.
Es gibt nicht einfach einen einzelnen «Burnout-Artikel». Aber viele Regeln helfen indirekt gegen Überlastung: Arbeitszeit, Pausen, Ruhezeiten, Ferien, Dienstplanung und Gesundheitsschutz. Der Arbeitgeber hat zudem eine Fürsorgepflicht. Wenn du dauerhaft überlastet bist, solltest du früh mit Berufsbildner/in, Schule, üK-Leitung oder mit dem Rechtsdienst der Hotel & Gastro Union sprechen.
Genau dafür gibt es verbindliche Regeln. In der Lernendenvereinbarung und im L-GAV sind Arbeitszeit, Arbeitsplanung, Arbeitszeiterfassung und Kompensation von Überstunden geregelt. Lernende müssen den Arbeitsplan mindestens 2 Wochen im Voraus erhalten, Schultage gelten als Arbeitszeit, und Überstunden sind mit Freizeit zu kompensieren
Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig Sozialpartnerschaft ist: Gerade in Krisen braucht es gemeinsame Lösungen, damit Betriebe weiterarbeiten können und Mitarbeitende geschützt bleiben. Für die Branche blieb der L-GAV ein wichtiges Instrument für einheitliche Regeln und Stabilität.
Arbeitsbedingungen & L-GAV
Wichtig für Lernende: Für dich als Lernende oder Lernender gelten in erster Linie dein Lehrvertrag, das Berufsbildungsrecht, das Arbeitsgesetz mit Jugendschutzbestimmungen und die Lernendenvereinbarung im Gastgewerbe. Der L-GAV ist trotzdem wichtig, weil er die Branche prägt und für viele Mitarbeitende im Gastgewerbe verbindliche Mindestregeln setzt. Einzelne Themen wie Arbeitszeit, Ruhetage oder Feiertage sind in der Lernendenvereinbarung ebenfalls geregelt oder orientieren sich am L-GAV.
Der L-GAV ist der Landes-Gesamtarbeitsvertrag für das Schweizer Gastgewerbe. Er gilt für viele Mitarbeitende in gastgewerblichen Betrieben.
Für Lernende gilt jedoch nicht direkt der L-GAV, sondern vor allem der Lehrvertrag, das Berufsbildungsrecht, das Arbeitsgesetz mit Jugendschutzbestimmungen und die Lernendenvereinbarung im Gastgewerbe sowie einzelne Bestimmungen aus dem L-GAV. Diese Lernendenvereinbarung regelt unter anderem Lohn, Ferien, Arbeitszeit und weitere wichtige Punkte für Lernende.
Der L-GAV sorgt für faire und klare Regeln. Mitarbeitende wissen dadurch besser, welche Rechte sie haben. Dazu gehören geregelte Arbeitszeiten, Mindestlöhne, Ferienansprüche, bezahlte Feiertage, bessere Absicherung bei Krankheit und Unfall sowie Unterstützung bei Aus- und Weiterbildung. Der L-GAV schafft damit mehr Sicherheit, Transparenz und Schutz im Arbeitsalltag.
Grundsätzlich gelten die Regeln auch für Teilzeit und Saison (anteilsmässig, z.B. Ferien/Arbeitszeit). In der Praxis gibt es aber Unterschiede je Betrieb. Wichtig ist: Arbeitszeiten/Überstunden müssen sauber erfasst werden. Bei Unklarheiten immer nachfragen und schriftlich festhalten.
In unserer Branche gelten Mindestlöhne, die im L-GAV (Landes-Gesamtarbeitsvertrag) festgelegt sind.
Für Lernende gelten jedoch eigene Mindestlöhne gemäss Lernendenvereinbarung und Lehrvertrag. Wichtig ist: Der im Lehrvertrag vereinbarte Lohn darf die geltenden Mindestansätze für Lernende nicht unterschreiten.
Sonntagsarbeit ist im Gastgewerbe grundsätzlich möglich. Für Lernende unter 18 gelten aber strengere Regeln. Jugendliche dürfen nur im Rahmen der gesetzlichen Ausnahmen und der Ausbildung am Sonntag eingesetzt werden. Je nach Betrieb und Ausbildung müssen genügend Sonntage frei bleiben. Wenn du das Gefühl hast, zu viele Sonntage zu arbeiten, solltest du deinen Dienstplan prüfen lassen.
Einen automatischen 25-%-Zuschlag für jede Arbeit am Abend oder in der Nacht gibt es nicht. Entscheidend ist, ob es sich rechtlich um Nachtarbeit handelt, ob sie regelmässig oder unregelmässig geleistet wird und ob du volljährig bist. Bei regelmässiger Nachtarbeit besteht in der Regel ein Anspruch auf 10 % Zeitzuschlag. Bei unregelmässiger Nachtarbeit kann ein Lohnzuschlag von 25 % geschuldet sein. Für Lernende unter 18 gelten zusätzlich besondere Schutzregeln und Einschränkungen.
Berufsalltag
- Professionelle Grenzen setzen: ruhig, klar, respektvoll («So kann ich nicht arbeiten. Ich helfe gern, aber bitte respektvoll.»)
- Rückendeckung im Betrieb einfordern: klare Regeln bei Respektlosigkeit, Unterstützung durch Vorgesetzte
- Vorfälle dokumentieren, wenn es Richtung Mobbing/Belastung/Belastungsgrenze geht
- Bei schweren Situationen (Beleidigung, sexuelle Belästigung, Drohung): sofort melden (Vorgesetzte, HR), notfalls externe Hilfe / Rechtsberatung
Merke: Respekt ist nicht «nett», sondern Teil eines sicheren Arbeitsplatzes.
Nicht alles. Vorgesetzte dürfen dir fachliche Anweisungen geben und Kritik äussern, aber respektvoll und sachlich. Beschimpfungen, Erniedrigungen, Drohungen, Diskriminierung, sexuelle Belästigung oder ständiger respektloser Umgang sind nicht in Ordnung. Der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht und muss deine Gesundheit und Persönlichkeit schützen. Bei Lernenden gilt zusätzlich ein besonderer Schutz.
Wenn etwas nicht korrekt läuft: Sprich zuerst mit deiner Berufsbildnerin oder deinem Berufsbildner, sofern das möglich ist. Wenn das nichts bringt oder die Person Teil des Problems ist, wende dich an die Berufsschule, üK-Leitung, das kantonale Berufsbildungsamt oder an die Berufsorganisation Hotel & Gastro Union. Bei sexueller Belästigung, Drohungen, Gewalt oder schweren Grenzüberschreitungen: sofort Hilfe holen und nicht abwarten.
Karriere & Weiterbildung
je nach Bereich:
Im Beruf bleiben (Fachlaufbahn)
- Spezialisierung (z. B. Bar, Wein, Patisserie, Front-Office-Systeme, MICE/Event)
Führung (Team-/Schichtleitung)
- Chef de Rang, Restaurantleitung, Sous-Chef, Gouvernante, FO-Shiftlead, Assistant Manager
Wechsel in nahe Felder
- Catering, Event, Kreuzfahrt/Resort, Systemgastronomie, Verkauf (Getränke/Food), Aussendienst, Ausbildung/Berufsbildner/in, Lieferanten/Produkte
Unmittelbar nach der Lehre
- 1–2 Jahre Berufspraxis sammeln ist oft Gold wert (Lohn, Routine, Referenzen).
Danach gezielt Weiterbildung: Führung, Fachkurse, Sprache, Berufsbildner/in, Berufsprüfung FA
Im Betrieb besser werden (sofort nutzbar)
- Service: Verkauf/Up-Selling, Wein/Getränke, Reklamationsmanagement, Barista, Gastgeberrolle
- Küche: Postenverantwortung, Food Cost, Hygiene/HACCP, Produktionsplanung
- Housekeeping: Standards, Qualitätskontrolle, Teamleitung
- Front Office: PMS-Systeme, Revenue Basics, Beschwerdemanagement, Night Audit
Richtung Verantwortung (Teamleitung / Chef de Rang / Sous-Chef / Gouvernante / FO-Lead)
- Führung (Basics), Kommunikation, Arbeitsrecht-Grundlagen, Dienstplanung
- Berufsbildner/in-Kurse (wenn du Lernende betreuen willst)
Richtung Management
- Rechnungswesen/Controlling, HR, Revenue Management, Marketing/Social Media, Eventplanung
Merke: «Sinnvoll» ist oft nicht die grösste Schule, sondern die nächste Stufe, die du im Alltag anwenden kannst (und die dir schneller mehr Lohn/Verantwortung bringt).
BM hilft, wenn du Richtung HF/FH willst oder später eine Kaderrolle anstrebst. Studieren kann Türen öffnen. (Management, HR, Marketing, Unternehmerin), ist aber nicht der einzige Weg – Praxis + Weiterbildungen zählt stark.
Ja, häufiger in:
- Backoffice/Administration im Hotel (Sales, HR, Buchhaltung)
- Revenue/Reservierung (oft büroähnliche Zeiten)
- Eventplanung (teils, je nach Betrieb)
- Ausbildung/Training (je nach Rolle)
- Systemgastronomie / Tagesbetriebe (eher planbar)
- B2B bei Lieferanten (Verkauf/Key Account, oft «Bürozeiten»)
100 % «9 to 5» ist nicht immer realistisch – aber planbarer geht definitiv.
- Kantonale Stipendien/Darlehen (je nach Kanton, Einkommen, Situation)
- Arbeitgeber-Unterstützung (Kostenbeteiligung gegen Bindung / Rückzahlvereinbarung)
- Teilzeitmodelle / berufsbegleitende Varianten (wenn angeboten)
- Kürzere, modulare Weiterbildungen zuerst (günstiger, schnell wirksam), dann später Schule
- Branchenfonds / Unterstützungen (je nach Angebot/Institution)
Praxis-Tipp: Nicht nur «die eine Hotelfachschule» anschauen. Es gibt oft mehrere Wege zum gleichen Ziel.
Bewerbungen
Typische Quellen:
- Branchen-Stellenportale angeben
- Hotel-Websites (Karriere-Seite)
- LinkedIn, Instagram (Hotels posten dort oft zuerst)
- Direktbewerbung (gerade in der Hotellerie sehr wirksam)
Netzwerk: Berufsbildner/innen, ehemalige Betriebe, Mitschüler/innen, Lieferanten
- CV: klar, 1–2 Seiten, Aufgaben plus Erfolge (nicht nur «gemacht», sondern «erreicht»)
- Motivationsschreiben (kurz!): Warum dieser Betrieb, welche Stärken, ab wann, Pensum
- Zeugnisse/Arbeitszeugnisse: ordentlich als PDF
- Optional: Referenzen (oder «auf Anfrage»)
Was viele unterschätzen: Saubere Formatierung, fehlerfreie Sprache und klare Verfügbarkeit.
- Zu wenig über den Betrieb wissen (mind. Konzept, Zielgruppe, Öffnungszeiten)
- Unklare Antworten zu Pensum/Startdatum
- Kein Beispiel zu Stress-/Konfliktsituationen
Gute Vorbereitung:
- 3 Beispiele parat: Stress, Konflikt, Fehler plus was gelernt
- 3 Fragen an den Betrieb: Team, Dienstplan, Einarbeitung, Entwicklung
Wichtig sind vor allem Zuverlässigkeit, Motivation, saubere Unterlagen, Pünktlichkeit, Auftreten und ob du ins Team passt. In der Hauswirtschaft zählen zusätzlich Sorgfalt, Verantwortungsbewusstsein, Hygieneverständnis, Organisationstalent und Freude an praktischer Arbeit.
Noten sind ein Signal, aber selten das Wichtigste. In der Branche zählen sehr stark:
- Auftreten, Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit
- Umgang mit Stress, Gastgeberhaltung
- Lernbereitschaft und Praxisleistung
Wenn Noten mittel sind: kompensieren mit starken Arbeitszeugnissen, Projekten/Verantwortung und guten Referenzen.
Realistische Hebel für mehr Lohn:
- Betriebsart (Stadt-/Businesshotel vs. Saisonbetrieb vs. Luxussegment)
- Funktion (z. B. Chef de Rang/Schichtleitung zahlt mehr als Einstieg)
- Skills (Sprachen, Wein/Bar, PMS/Revenue, Führung)
- Zeitpunkte (vor Saisonstart/Peak wird besser verhandelt)
Im Gespräch:
- Nicht nur «mehr Lohn» fordern, sondern Wert argumentieren (z. B. Upselling, Trainings, Sprachen, Planungsstärke).
Ehrlich, kurz, positiv: Grund nennen (Schule, Gesundheit, Familie, Reise, Neuorientierung) und was du gelernt hast. Fokus auf dem, was du jetzt willst.
Dann lohnt sich: Suchradius leicht erweitern, ÖV-Zeiten checken, Saisonstellen/Teilzeit prüfen und online Portale + Netzwerk nutzen (Lehrbetrieb, Schule, Kolleginnen)
Das ist ein Branchentrend (Kosten, Flexibilität, Saison, Personalmix). Was du tun kannst:
- Im Gespräch aktiv nachfragen: «Wie viele Prozent sind realistisch? Gibt es eine Perspektive auf Erhöhung?»
- Jobsharing oder Kombi-Rollen vorschlagen (z. B. FO plus Reservation, Service plus Event)
- Vertrag genau prüfen: garantierte Stunden, Überstundenregel, Zuschläge, Probezeit
Nicht nur auf den Lohn schauen. Wichtig sind auch: Lernchancen, Betriebsklima, Team, Erreichbarkeit, Unterstützung im Betrieb, Arbeitszeiten und ob man sich gut begleitet fühlt.
Wichtig sind Arbeitsbewilligung, Sprache, Versicherungen, Lohnniveau, Arbeitszeiten, Unterkunft und Vertragsbedingungen. Nicht jedes Land schützt Arbeitnehmende gleich stark wie die Schweiz. Vertrag immer genau lesen.